(…) Der Zeitgenosse wird, mit den Worten Dall‘Os, rückblickend auf die Geschichte der Kultur, der er entstammt Klient der Geschichte. Die Gleichzeitigkeit der Kulturen führt zu einem Labyrinth kultureller Zeichen, in dem sich der Künstler verirrt, zu einem gigantischen Lagerhaus, in dem er sich bedienen kann. Diese Gleichzeitigkeit im Breitwandformat und, um beim Bild zu bleiben, die Übereinanderprojektion zahlreicher Filme und statischer Bilder, wird als eine Rückkehr zum Mythos von vielen glatt beschworen: Aneingung, Appropriation und Simulation sind oft verwendete Strategien und Antworten der Künstler auf diese historische Situation. Dall‘O spricht einmal selbst von der Aktivität des Zeichnens, des Nachzeichnens. Das Nachzeichnen ist das Buchstabieren dieser Embleme, die er „geerbt“ hat. Die Perpetuierung hat den Effekt der Steinschen Repetition: a rose is a rose is a rose.

Dall‘Os Kunst ist eine Kunst der Anordung, mit der, wie er es selbst charakterisiert hat, die Dinge unterschieden werden: seine Bilder der Blätter eines Buches oder kostbarer Manuskripte, auf denen er etwas nachbuchstabiert, das wir verloren haben, Versuch einer magischen Wiedergewinnung.

Peter Weiermair